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Komet C/2012 S1 ISON mit Fernglas beobachten

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fernglasfreunde.de Komet ISON im September und Oktober 2013 beobachten

Vagabunden des Sonnensystems werden sie genannt - die kosmischen Besucher aus den Tiefen unseres Planetensystems. Jedes Jahr wird eine Vielzahl an Kometen entdeckt. Nur wenige werden so hell, dass sie mit den Mitteln des Amateurs beobachtet werden können. Von diesen wiederum sind es nur seltene Exemplare, die so hell werden, dass sie sogar mit dem bloßen Auge und erst recht im Fernglas gesehen werden können. Ein solcher Kandidat für den kommenden Spätherbst ist der Komet C/2012 S1 (ISON)  – so seine genaue wissenschaftliche Bezeichnung. Und mehr noch: Wenn die positiven Prognosen stimmen, hat ISON das Zeug sich zum „Superkometen“ zu entwickeln, der vielleicht alle Kometenerscheinungen der vergangenen Jahrhunderte in den Schatten stellt.


Was ist an ISON so Besonderes?

Wie bei allen großen Kometenerscheinungen sind es zwei Dinge, durch die sich diese von den „gewöhnlichen“ Schweifsternen unterscheiden. Da ist zunächst einmal ihre große Helligkeit, die sie ohne große optische Hilfsmittel zum erstaunenswerten Objekt auch für den astronomischen Laien machen. Und schließlich ist es der helle und weiträumig ausgedehnte Schweif, der diesen Objekten ihr typisches und auch ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild verleiht.

Die Ausbildung derartig prächtiger Erscheinungsformen ist jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft. Der Kometenkern muss entsprechend groß sein, um genügend Materie für die Ausbildung der Koma und des Schweifs zu besitzen. Da sich ein ausgeprägter Schweif nur in Sonnennähe entwickeln kann, muss sich die Sonnenpassage in geringer Entfernung zu unserem Zentralgestirn vollziehen. Nur in dieser Konstellation kann die Teilchenstrahlung der Sonne (Sonnenwind) durch Sublimation genügend Materie aus dem Kometen herauslösen, um Koma und Schweif ausbilden zu können. C/2012 S1 (ISON) erfüllt all diese Bedingungen. Der bereits am 21. September vergangenen Jahres entdeckte Komet gehört zur Gruppe der sog. Sun Grazer („Sonnenstreifer“). ISON wird in nur 0,01 AE, das sind ca. 1,5 Millionen Kilometer, an der Sonne vorbeiziehen – für planetare Verhältnisse eine winzige Entfernung. Doch diese große Sonnenannäherung fordert ihren Preis. Durch ungünstige Umstände hat schon manchen Sun Grazer das gleiche Schicksal wie Ikarus in der griechischen Mythologie ereilt. Für Kometen besteht die Gefahr im Auseinanderbrechen des Kerns in kleine Trümmerstücke durch die Gezeitenkräfte der Sonne und dem Einwirken enormer Temperaturen. Kometen sind immer wieder für Überraschungen gut. Eine einigermaßen verlässliche Prognose lässt sich daher erst in der letzten Phase des Anflugs stellen.

Warum ist ein Fernglas für ISON das ideale Instrument?

Wer jetzt meint, man brauche doch bestimmt ein Fernrohr, um ISON gut sehen zu können, ist in diesem Fall erfreulicherweise im Irrtum. Die Profis unter den „Kometenjägern“ arbeiten nämlich mit sehr großen und lichtstarken Ferngläsern, um Kometen aufzuspüren. In der beobachtenden Astronomie sind diese Geräte nicht umsonst unter der Bezeichnung Kometensucher bekannt.

Da „unser“ Komet sehr hell werden wird, brauchen wir keine starken Vergrößerungen – im Gegenteil. Kometen werden in Sonnennähe zu flächenhaften Objekten. Das betrifft sowohl die diffuse, den Kern umgebende Koma wie auch den Schweif. Mit stärkeren Vergrößerungen nimmt die Flächenhelligkeit rasch ab, das Objekt verliert an Kontrast – mehr Details zeigt das Teleskop hingegen nicht. Dies ist auch der Grund, warum auch professionell arbeitende Amateurastronomen bei hellen Kometen auf ein gutes Fernglas zurückgreifen. Es bietet eine Fülle an Vorteilen, mit denen es einem Teleskop überlegen ist. Da ist zunächst einmal die Lichtstärke. Diese nimmt mit wachsender Vergrößerung ab. Die Vergrößerung unseres Fernglases (üblicherweise zwischen 8fach und 16fach) ist genau richtig, um ein helles und kontrastreiches Bild des Kometen zu erhalten. Die Koma selbst ist zwar diffus, wird sich aber dennoch deutlich vom Himmelshintergrund absetzen. Ein weiterer Pluspunkt eines jeden Fernglases ist sein großes Gesichtsfeld. Die Struktur des ausgedehnten Kometenschweifs lässt sich mit diesen Instrumenten optimal erfassen. Und nicht zuletzt ist es das entspannte räumliche Sehen mit beiden Augen, welches unser Fernglas zum bevorzugten Beobachtungsinstrument macht. Die unkomplizierte Handhabung mag dazu verleiten, es freihändig auf den Kometen zu richten. Für einen kurzen Blick zur Übersicht ist das durchaus okay. Möchte man jedoch Details von Koma und Schweif beobachten, sollte das Instrument unbedingt auf ein Stativ gesetzt werden. Vor allem bei stärkeren Vergrößerungen macht sich die unvermeidliche Zitterbewegung der Arme unangenehm bemerkbar. Zugleich ist das Beobachten viel entspannender.

Auf welche Weise kann ich ISON am besten beobachten?

“Kometen sind wie Katzen. Beide haben Schweife und beide machen exakt das, was sie wollen.” So charakterisiert der Amateurastronom David H. Levy, Mitentdecker des Kometen Shoemaker-Levy 9, scherzhaft das Verhalten der Kometen in Bezug auf die Vorhersagen. Und tatsächlich: Die Materialbeschaffenheit und die Dichte haben einen großen Einfluss auf Helligkeit und Erscheinungsform des Kometen. Nicht zuletzt sind sie ausschlaggebend dafür, ob der kosmische Bote aus den Tiefen des Alls die Gluthölle der Sonne übersteht.

Wenn sich ISON an die „Spielregeln“ hält, verspricht er eine tolle Erscheinung zu werden. Er wird dann über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten mit bloßem Auge sichtbar sein (Anfang November bis Mitte Januar). Es wird dann ein Leichtes sein, den Kometen auch mit dem Fernglas zu beobachten. Aber unser Fernglas kann noch viel mehr. Machen wir uns also auf die Reise und begleiten unseren Gast auf seinem Weg durch das innere Sonnensystem.

Bereits Mitte Oktober wird ISON die 8. Größenklasse erreichen und damit für Ferngläser ab 50 mm Objektivdurchmesser erreichbar. Er bewegt sich am Morgenhimmel dabei im Bereich des Sternbildes Löwe. Am 18. des Monats steht er nahe bei dessen hellen Hauptstern Regulus und dem Planeten Mars und bildet mit diesen fast eine Gerade. Ab ca. 04.00 Uhr bis zur Morgendämmerung kann ISON dann bereits schon in Höhen über 30° beobachtet werden. Auch ein erster Schweifansatz sollte jetzt erkennbar sein. In den folgenden Wochen wird ISON immer heller werden. Mitte November ist der Komet schon 2 mag hell, die Koma (Hülle) wird mit 20 Bogenminuten angegeben und sein Schweif sollte die 10°-Marke erreicht haben. Damit ist der Komet mit allen Fernglastypen ausgezeichnet sichtbar. Ferngläser mit einer stärkeren Vergrößerung zeigen uns die Koma sehr deutlich, während der Schweif schon nicht mehr ganz ins Gesichtsfeld passen wird.  ISON steht jetzt in der Jungfrau, zwar immer noch am Morgenhimmel, strebt aber langsam der Sonne entgegen. Ab dem 22. November wird sich der Schweifstern vorübergehend unseren Blicken entziehen. In dieser Zeit nimmt seine Helligkeit aber rapide zu. Am Tage des Periheldurchganges am 28. November sehen wir ISON mit Venushelligkeit (ca. 4,5 mag) in nur 2,5 Grad Abstand neben der Sonne aufgehen. Im Verlaufe dieses Tages legt ISON noch einmal kräftig zu, er wird immer heller, aber auch sein Abstand zur Sonne wird immer geringer und vor dem Untergang in der Abenddämmerung nur noch ein Grad betragen. ISON hat jetzt die fantastische Helligkeit von minus zehn Größenklassen erreicht.

Natürlich hat die Beobachtung eines Kometen am Taghimmel seinen besonderen Reiz. Aber hier liegt auch die Gefahr schwerer Augenschäden, denn es sind nur noch wenige scheinbare Sonnendurchmesser, die Sonne und Komet voneinander trennen! Zur gefahrlosen Beobachtung dieses Naturphänomens sollte deshalb einiges beachtet werden.

Niemals sollte man versuchen, ohne Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung den Kometen am Himmel ausfindig zu machen. Abgesehen davon, dass bereits mit bloßem Auge irreparable Schäden auftreten können, wird die Blendung durch die Sonne kaum etwas erkennen lassen. Eine gute Methode ist die folgende: Man wählt seinen Beobachtungsplatz so, dass die Sonne verdeckt wird, der Komet selbst aber sichtbar ist. Das kann entlang der Kante eines Daches, einer Wand oder auch eines Baumes sein. Bei entsprechender Vorsicht kann dies auch die eigene Hand sein. Dabei kann es hilfreich sein, eines der beiden Augen zu schließen. Der Komet erscheint dann als heller, unscharfer Fleck. Bei guter Durchsicht der Luft wird auch ein kleiner Schweifansatz sichtbar sein. Ein absolutes Tabu ist die Beobachtung mit einem auch noch so kleinen Fernglas. Das Lichtsammelvermögen reicht aus, um bei einem Blick in die Sonne das Augenlicht zu ruinieren. Eine kleine Bewegung, ein minimaler Schwenk reicht aus, um das volle Sonnenlicht ins Objektiv zu bekommen. Auch bei der Verwendung eines Stativs besteht die Gefahr einer plötzlichen Lageänderung des Fernglases durch Anstoßen oder ein Verrutschen des Stativkopfes. Hier sollte man nach Angeboten der Sternwarten Ausschau halten. Deren Instrumente sind auf definiert einstellbaren und vor allem stabilen Montierungen befestigt, die eine gefahrlose Beobachtung zulassen.

Nur in 1,9 Millionen Kilometern Entfernung, das ist etwa die fünffache Entfernung Erde-Mond, zieht ISON am Zentrum der Sonne vorüber. Entsprechend schnell vollzieht sich die Passage des Perihels innerhalb nur weniger Stunden(!).

Pünktlich zum Beginn der Adventszeit wird ISON wieder am Morgenhimmel auftauchen. Ab dem 1. Dezember kann versucht werden, in der Morgendämmerung den nunmehr -2,5 mag hellen Kometen dicht über dem Südosthorizont aufzuspüren. Die Länge des Schweifs sollte zu diesem Zeitpunkt ca. 30 Grad betragen. Hierfür richten wir unser Fernglas auf den östlichen Horizont und suchen streifenweise den Himmel nach ISON ab. Da der Komet jetzt Kurs in Richtung Norden nimmt, verbessern sich seine Sichtbedingungen von Tag zu Tag. Bereits eine Woche später hat ISON einen so großen Vorsprung zur Sonne gewonnen, dass er jetzt in 20 Grad Höhe beobachtbar ist. Allerdings nimmt auch die Helligkeit jetzt wieder stetig ab und wird etwa die 1. Größenklasse betragen. Um die Monatsmitte sind die Sichtbedingungen so günstig, dass sich ISON ab 05.30 Uhr vor einem noch völlig dunklen Himmel ohne störendes Mondlicht präsentiert. Der Durchmesser der Koma wird mit 25 Bogenminuten fast die Größe des Vollmondes erreicht haben. Mit 2,5 mag bleibt er weiterhin mit dem bloßen Auge gut sichtbar.

Ab dem 15. Dezember taucht ISON endlich auch am Abendhimmel auf. Ab 16.30 Uhr kann der Schweifstern am westlichen Horizont in ca. 15 Grad Höhe gesehen werden, vorerst auch noch mit dem bloßen Auge. Er bewegt sich jetzt im Sternbild Schlange rasch nach Norden. Am Heiligen Abend steht ISON bereits um 17.00 Uhr in ca. 25 Grad Höhe am weihnachtlichen Firmament. Ab jetzt wird ISON, nunmehr rechts des Sternbildes Herkules stehend, zum zirkumpolaren „Weihnachtskometen“ und damit nicht mehr untergehen. Zum Jahreswechsel dürfte die Helligkeit des Kometen nur noch die 5. Größenklasse betragen. Für die Beobachtung mit bloßem Auge wird ISON damit zum schwierigen Objekt. Mit unserem Fernglas ausgerüstet, werden wir ihn aber noch eine Weile auf seinem langen Weg zurück ins äußere Sonnensystem begleiten können. Seine Bahn führt ihn durch die Sternbilder Drache, Kleiner Bär (mit Passage des Polarsterns am 07. Januar) bis zur Giraffe, deren Konstellation er Ende Januar passiert hat. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns von unserem Gast endgültig verabschieden müssen. Mit einer Helligkeit um die 8. Größenklasse, nur noch 5 Bogenminuten Komadurchmesser und ein Grad Schweiflänge wird sich ISON allmählich unseren Blicken entziehen.

Wird ISON ein Jahrhundertkomet werden?

Das hier beschriebene Szenario beruht auf Modellrechnungen und den bisher bekannten Parametern des Kometen. In Abhängigkeit von der Beschaffenheit des Kometen wird daher die Ausbildung von Helligkeit und Schweif mit großer Wahrscheinlichkeit etwas anders ausfallen. Und für Überraschungen ist JEDER Komet gut. Auf jeden Fall sind wir mit unserem Fernglas in die Lage versetzt, ein faszinierendes und spannend werdendes Himmelschauspiel über einen langen Zeitraum verfolgen zu können. ISON ein Jahrhundertkomet? Spätestens nach seinem heißen Rendezvous mit der Sonne am 28. November werden wir es wissen.

fernglasfreunde.de Komet C/2012 S1 ISON im Oktober und November 2013

KOMET C/2012 S 1 ISON wird zum Objekt für Amateure

Nun ist es endlich soweit - ISON ist jetzt so hell, dass er mit den Mitteln des Amateurs zumindest fotografisch erfasst werden kann. Er ist jetzt im Begriff, die „magische“ Helligkeitsgrenze der 10. Größenklasse zu durchbrechen. Daher wollen wir Dich ab jetzt an dieser Stelle in loser Folge über die aktuelle Entwicklung des Kometen und dessen Beobachtung informieren.

14.10.2013

Bereits am 29. September wurde eine sehr schöne Farbaufnahme des Kometen mit dem 2-Meter-Spiegel des Karl-Schwarzschild-Observatoriums in Tautenburg bei Jena gewonnen. ISON zeigt einen hellen, konzentrierten Kernbereich und auch der Ansatz eines Staubschweifs ist deutlich sichtbar. Aber auch die Amateure können inzwischen gute Aufnahmen des Kometen in bereits großer Anzahl vorweisen. Mit einer (geschätzten) Helligkeit von 9,8 - 11,0 Größenklassen sind diese vorerst Instrumenten mit größerer Öffnung und entsprechender CCD-Technik vorbehalten.

Für gute Neuigkeiten sorgt die Vermessung der Rotationsachse von ISON. Diese ist derzeit auf die Sonne ausgerichtet, so dass immer dieselbe Seite des Kometen dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Das bedeutet, dass die „Rückseite“ sich ihr Material „aufspart“, um es später bei einem Helligkeitsausbruch freizusetzen. Die Rotationsachse scheint raumstabil zu sein, so dass es wenige Tage vor dem Periheldurchgang zu einem enormen Helligkeitsanstieg kommen könnte.

ISON befindet sich derzeit im Sternbild Löwe und bewegt sich in Richtung Süden. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wird seine Helligkeit von ca. 10 mag auf ca. 8 mag steigen und seine Schweiflänge verdreifachen. Die Aufgangszeit liegt Mitte Oktober bei 02.30 Uhr, am Monatsende eine halbe Stunde früher. Damit begibt sich ISON auch in die visuelle Reichweite lichtstarker Ferngläser und mittlerer Teleskope.

fernglasfreunde.de Komet ISON im November 2013 im Sternbild JungfrauISON bleibt weiterhin stabil +++ Die visuelle Jagd mit Teleskop und Großfernglas kann beginnen +++ Komet Encke ebenfalls sichtbar +++ Sonnenfinsternis und ISON +++  Vorschau auf die nächsten zwei Wochen

31.10.2013

Nach den Aufnahmen von Großteleskopen und dem Hubble-Space-Teleskop steht fest: Der Komet zeigt keinerlei Anzeichen einer Instabilität. Dies bestätigen auch die hervorragenden Fotos von gut ausgerüsteten Amateurastronomen.

Die wenigen Helligkeitsschätzungen der letzten Tage zeigten deutliche Schwankungen. Diese Streuung um knapp 10 mag erklärt sich durch störendes Mondlicht, bei dem eine zuverlässige Messung kaum möglich ist. Doch bereits in den ersten Tagen des Novembers wird die Helligkeit des Kometen ansteigen. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen, dass auch Amateure mit kleineren Teleskopen ISON visuell erfassen sollten. Auch für Großferngläser ab 8 cm Öffnung sollte der Komet kein Problem mehr sein.

Mit dem bekannten kurzperiodischen Kometen 2P/Encke befindet sich ISON in guter Gesellschaft. Encke befindet sich südöstlich von ISON zwischen den Sternbildern Löwe und Jungfrau. Als Aufsuchhilfe kann man die gedachte Linie vom Stern Delta im Schwan über Beta in Richtung Südosten verlängern und trifft in etwa gleichem Abstand auf Encke. Dieser wird mit 7 mag noch ein wenig heller als ISON sein.

Am 3. November findet eine totale Sonnenfinsternis statt. Diese ist leider nur im Gebiet des Atlantik und in Zentralafrika zu sehen. Man darf gespannt sein, ob es den dortigen Beobachtern gelingt, ISON während der Totalität aufzuspüren.

In den nächsten zwei Wochen werden sich die Beobachtungsbedingungen stetig verbessern. So wird der Mond bei der Beobachtung nicht mehr stören. ISON bewegt sich jetzt ziemlich rasch in Richtung des Sternbildes Jungfrau. Bereits ab 03.00 Uhr (Anfang November) und später ab 04.00 Uhr (10. November) kann der Komet am morgendlichen Himmel beobachtet werden. Bis dahin wird seine Helligkeit auf deutlich unter 7 mag ansteigen. Damit kommen dann auch Besitzer eines kleineren Fernglases in den Genuss, ISON endlich begrüßen zu können.

ISON zeigt erstmals einen Gasschweif +++ Helligkeit liegt etwas hinter den Prognosen +++ Nur noch Venushelligkeit im Perihel? +++ Vorschau auf die nächste Woche

07. November 2013

Die hervorragenden Aufnahmen von Damian Peach, einem Amateurastronomen aus Großbritannien, zeigen deutlich, dass ISON nunmehr einen Gasschweif entwickelt. ISON wird damit zunehmend aktiver. Eine Bestätigung liefern Analysen, die auf eine Verdoppelung der Ausgasungsrate in einem Zeitraum von nur vier Tagen hindeuten.

Ein Wermutstropfen bleibt aber leider noch. Immer öfter stellt sich die Frage, ob ISON sich wirklich zum „Jahrhundertkometen“ entwickeln wird. Hier gehen die Prognosen der Profis zunehmend weit auseinander. Tatsache ist, dass sich ISON in seiner Helligkeitsentwicklung etwas zurückhält. Gegenwärtig sind es Helligkeiten zwischen der 7. und 8. Größenklasse.

Die Maximalhelligkeit während der Perihelpassage wurde inzwischen von der CIOC (Comet ISON Observing Campaign) der NASA  auf -5 mag heruntergestuft. Das ist dann „nur“ noch etwas über der maximalen Helligkeit der Venus - von der ursprünglichen Helligkeitsprognose  mit Vollmondhelligkeit (-16 mag)  leider weit entfernt. Doch gerade Kometen, die erstmals in Sonnennähe kommen, sind immer wieder für Überraschungen gut.

Ungeachtet der Entwicklung im Perihelion wird ISON bis Mitte November seine Helligkeit bis auf die 6. Größenklasse steigern. Damit ist jedes gute Fernglas und Amateurteleskop geeignet, ISON am Himmel selbst zu „entdecken“. Der Komet wird in den frühen Morgenstunden weiterhin gut im Sternbild Jungfrau beobachtbar sein. Um 05.00 Uhr steht ISON in ca. 10 Grad Höhe über dem östlichen Horizont, ohne vom Mond und der später aufgehenden Sonne gestört zu werden.

Neue Hoffnung:  Komet ISON mit plötzlichem Helligkeitsausbruch +++ Kometenexperte Cerny sieht die weitere Entwicklung ebenfalls positiv +++ Vorschau auf die nächste Woche

13.11.2013

Nachdem die Helligkeitsprognose vom Minor Planet Center auf nur noch – 2 mag am Tag des Periheldurchgangs korrigiert wurde, besteht plötzlich wieder die Chance, mit ISON einen hellen Kometen beobachten zu können. Französische Kometenbeobachter registrierten einen Helligkeitsanstieg von einer Größenklasse in nur 24 Stunden. Diese Messungen wurden vom TRAPPIST Teleskop in Chile (Ritchey-Chretien – Spiegel mit 60 cm Öffnung) bestätigt. Analysen ergaben, dass sich die Gasproduktion des Kometen verdoppelt hat.

Indes zeichnet auch der tschechische Kometenexperte Jakub Cerny ein positives Bild der zukünftigen Entwicklung. Er verglich in einer Studie die bisherigen Helligkeitsparameter von ISON mit denen anderer Kometen. Diese seien durchaus typisch für einen Kometen, dessen Rotationsachse in Richtung Sonne zeigt. Damit ist wieder alles offen und ISON könnte doch noch zum Jahrhundertkometen aufsteigen.

Die plötzlich einsetzende Aktivität von ISON macht es schwierig, zuverlässige Helligkeitsprognosen zu stellen. Auf jeden Fall müsste ISON in den nächsten Tagen erstmals mit dem bloßen Auge zu sehen sein. Leider wird das Mondlicht die Beobachtungen vorerst erschweren. Auf seinem Weg zur Sonne befindet sich ISON nun bereits innerhalb der Venusbahn. Gegenwärtig befindet sich ISON im Sternbild Jungfrau, deren hellen Hauptstern Spica er am 18.November nördlich passieren wird. Ab 05.00 Uhr bis zum Anbruch der Morgendämmerung kann der Komet über dem südöstlichen Horizont beobachtet werden. Am 22. November überschreitet ISON die Grenze zum Sternbild Waage. Damit verringert sich die zur Verfügung stehende Beobachtungszeit dramatisch, denn um 06.45 Uhr steht ISON dann gerade mal 7° über dem Horizont – ein Indiz für die zunehmende Annäherung des Kometen an die Sonne.

fernglasfreunde.de Komet C/2012 S1 ISON im November und Dezember 2013Komet ISON jetzt mit bloßem Auge sichtbar +++ Kometenhelligkeit unter 5. Größenklasse +++ Fernglas weiterhin das ideale Instrument

15.11.2013

In den letzten Tagen haben sich die Meldungen über verstärkte Aktivitäten, einhergehend mit einer dramatischen Zunahme der Helligkeit des Kometen ISON nahezu überschlagen. ISON ist jetzt unter guten Beobachtungsbedingungen mit dem bloßen Auge zu sehen. Dazu liegt schon eine Vielzahl an entsprechenden Beobachtungen vor.

Eine ganz aktuelle Helligkeitsschätzung von heute um 15.48 Uhr Weltzeit im US-Bundesstaat Virginia sieht ISON bei 4.8 mag! Ein Schweif war dabei mit dem bloßen Auge noch nicht sichtbar.

Allerdings wird die Zeit knapp. ISON bewegt sich jetzt schnell in Richtung Horizont, so dass die mögliche Beobachtungszeit immer kürzer wird. Auch der Mond stört zunehmend die Beobachtung. Um diese erschwerten Bedingungen zu kompensieren, ist ein gutes Fernglas sehr hilfreich und das geeignete Instrument, um den Kometen am Morgenhimmel vor seiner Perihelpassage noch aufzuspüren. Leider versteckt sich ISON in Deutschland zurzeit hinter einer Wolkendecke, wobei die Sichtbedingungen im nördlichen Raum noch am besten sind.

Anzeichen für Fragmentierung des Kerns von ISON?  +++  Was wären die Folgen?  +++  Quo vadis, ISON?

18.11.2013

Nach den letzten Meldungen über den rapiden Helligkeitsanstieg von ISON sorgt der Komet nun schon wieder für Aufregung unter den „Kometenjägern“. In einer gestrigen Eilmeldung geben Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes  die Analyse von Aufnahmen bekannt, die mit einem 40 cm-Teleskop auf dem Wendelstein gewonnen wurden. Diese zeigen, dass die Koma sog. „Schwingen“ bekommen hat, auf jeweils dem Kern gegenüberliegenden Seiten. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich Teile des Kometenkerns abgesplittert haben. Allerdings sind das nur theoretische Ansätze einer Erklärung. Der Kern selbst entzieht sich jeder direkten Beobachtung.

Matthew Knight von der CIOC (Comet Ison Observing Campaign) hat dazu einen Blogbeitrag geschrieben. Falls dieses Szenario zutreffen sollte, wird ISON nicht die Helligkeit erreichen, die einen Jahrhundertkometen ausmacht. Aber die Gasproduktion der einzelnen Fragmente könnte dazu führen, dass uns ISON nach der Perihelpassage mit einem besonders hellen und ausgeprägten Schweif überrascht.

Noch ist alles offen und dies ist auch der Grund, warum die News vorerst noch mit Fragezeichen versehen sind. Es bleibt auf jeden Fall weiter spannend. Wenn ISON ins Visier verschiedener Sonnensatelliten kommt, werden wir mehr wissen.

Komet ISON wird immer heller +++ TRAPPIST-Teleskop findet keine Anzeichen für einen Zerfall +++ Überwachung durch Raumsonden beginnt

22.11.2013

Die Helligkeit des Kometen ISON ist zum wiederholten Male rapide angestiegen. Schätzungen sprechen bereits von der 3. Größenklasse. Die Staubproduktion soll sich verdoppelt, die Gasproduktion gar versechsfacht haben. Wenn diese Entwicklung anhält, können wir uns doch noch an einem eindrucksvollen Jahrhundertkometen erfreuen.

Aufnahmen vom 19. November mit dem TRAPPIST-Teleskop der ESO in Chile zeigen eine gut kondensierte Koma ohne Anzeichen einer Fragmentierung. Die Beobachter bestätigen damit die Meinung amerikanischer Wissenschaftler des CIOC-Programms, die ebenfalls keine Indizien für eine Spaltung des Kometenkerns finden konnten. Einzig die Max-Planck-Gesellschaft hält bis jetzt offiziell an ihrer Zerfallshypothese fest.

Die erdgebundene Beobachtung des Kometen wird immer schwieriger, da der Komet jetzt rasch auf unser Zentralgestirn zueilt. Daher wird die weitere Verfolgung des Kometen an Raumsonden „übergeben“. Es sind MESSENGER, STEREO A und B sowie SOHO, die jetzt zum Einsatz kommen. Sie werden ISON in der sprichwörtlichen heißen Phase begleiten und Aufschluss darüber geben, ob und wie der Komet die Gluthölle der Sonne übersteht.

Schlechte Nachrichten: Auch Wissenschaftler des CIOC – Programmes sehen ISONs Zustand zunehmend kritisch +++ Gasproduktion enorm gesunken +++ Countdown läuft: Perihelpassage am 28. November +++ Tagbeobachtung des Kometen

26.11.2013

Noch vor wenigen Tagen waren die Meldungen vorwiegend optimistisch. Der Helligkeitsanstieg und die enorme Steigerung der Gasproduktion gaben Anlass zu der berechtigten Hoffnung, dass wir es weiterhin mit einem aktiven und intakten Kern zu tun haben. Die jüngste Entwicklung jedoch macht den Kometenforschern erstmals ernsthafte Sorgen. Zwei Beobachtergruppen am James Clerk Maxwell Teleskop (Hawaii) und am IRAM Radioteleskop (Spanien) haben unabhängig voneinander einen enormen Einbruch der Gasproduktion von ISON festgestellt. Bei gleichzeitiger starker Zunahme der Staubproduktion deutet dies typischerweise auf einen sich in Auflösung befindlichen Kometenkern hin. Doch was ist bei einem Sun Grazer, der sich vermutlich zum ersten Mal ins Innere des Sonnensystems begibt, eigentlich „typisch“. Hierauf haben auch die Kometenforscher noch keine schlüssige Antwort. Das letzte Wort ist somit noch nicht gesprochen. Bemerkenswert ist, dass die Aufnahmen der Raumsonden STEREO A und B bisher keine Anzeichen eines Zerfalls registrierten.

Der Countdown bis zum Perihel, dem sonnennächsten Punkt der Bahn des Kometen, kann mittlerweile in Stunden gezählt werden. Am 28. November genau um 19.37 Uhr ist ISON der Sonne am nächsten. In nur einer Million Kilometer Abstand rast ISON über die glühendheiße Oberfläche der Sonne.

Sollte ISON bis dahin doch intakt geblieben sein, könnte der Komet im Verlauf des 28. November mit einer Helligkeit von -5 Größenklassen (das ist etwas heller als die Venus) neben der Sonne bei guten Sichtbedingungen (klarer, blauer Himmel) mit bloßem Auge gesehen werden. Der Komet steht dann nur wenige Grad rechts unterhalb der Sonne. Dazu ist es unbedingt erforderlich, dass helle Sonnenlicht durch Gebäude, Masten oder ähnliches vom Auge fernzuhalten. Bei entsprechender Vorsicht kann die Sonne auch durch eine Hand abgeschattet werden. Dabei darf niemals in die Sonne selbst geschaut werden.

ACHTUNG: Unter gar keinen Umständen dürfen optische Instrumente gleich welcher Art auf die Sonne gerichtet werden. Irreparable Augenschäden bis hin zur Erblindung wären die Folge!

Ab dem 27.11. kommt ISON in das Gesichtsfeld der Sonnensonde SOHO. Auf http://soho.nascom.nasa.gov/hotshots/index.html/  kann die Perihelpassage dann live verfolgt werden.

Komet ISON heute im Perihel +++ Aufnahmen von SOHO zeigen hellen und aktiven Kometen  +++ Übersteht ISON die Perihelpassage? +++ Was wird uns dann erwarten?

28.11.2013

Nun ist es soweit: Am heutigen Tag wird Komet ISON um 19.37 Uhr MEZ das Perihel seiner Bahn erreichen. Mit über 200 km pro Sekunde rast ISON unserem Zentralgestirn entgegen. Dabei macht es unser Gast vom Rande des Sonnensystems geradezu spannend und überrascht uns immer wieder.

Trotz radioastronomisch beobachteter Anzeichen eines Zerfalls, hat der Komet seine Helligkeit gestern nochmals auf mindestens +1 mag. gesteigert. Die Aufnahmen des Koronographen LASCO C3 der Sonnensonde SOHO deuten darauf hin, dass zumindest eine teilweise Abspaltung des Kerns stattgefunden hat: http://soho.nascom.nasa.gov/hotshots/index.html/  

Die Frage, ob ISON die Perihelpassage übersteht, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum beantwortet werden. Die Wissenschaftler sind mit Prognosen sehr vorsichtig geworden – zu viele Überraschungen hat ISON schon für sie bereitgehalten. Die inzwischen vorsichtigen Schätzungen gehen von einer 30%-igen Wahrscheinlichkeit aus, dass ISON die extreme Sonnenhitze mit intaktem Kern übersteht. Schließlich ist dieser mit 1,2 km Durchmesser kleiner als ursprünglich angenommen.

Schon jetzt scheint festzustehen, dass ISON wohl nicht der ganz große Komet werden wird. Sollte sich der Komet nur teilweise auflösen, dann hätten wir einen ISON ohne Kometenkopf, aber dennoch mit einem schönen ausgeprägten Schweif, entstanden aus der ursprünglichen Kometensubstanz. Und dann würde uns ISON doch noch ein ästhetisch ansprechendes Himmelsschauspiel liefern.

Komet ISON hat die Sonnenpassage überlebt +++ Bilder von heute Nachmittag zeigen wieder einen helleren Kometen mit Schweif +++ Chronik der dramatischsten Ereignisse im Leben eines Kometen

29.11.2013

Bisher war Komet ISON für jede Überraschung gut. Nachdem schon vor Tagen eine Auflösung des Kerns für immer wahrscheinlicher gehalten wurde, hat ISON immer dann, wenn es schon fast niemand mehr vermutete, an Aktivität und Helligkeit zugelegt. Kaum ins Gesichtsfeld des Sonnenkoronographen LASCO 3 der SOHO-Sonde gekommen, hat ISON „auf halber Strecke“ zwischen Gesichtsfeldrand und dem Zentrum noch einmal alles gegeben. Die Helligkeit ist stark angestiegen. Die Aufnahmen vom gestrigen Morgen zeigen einen scheinbar aktiven Kometen.

Doch bereits am frühen Nachmittag gab es – wieder einmal – schlechte Nachrichten. Der Kometenforscher Karl Battams  via Twitter:  “Oh, das sind keine guten Neuigkeiten: Das letzte Bild zeigt ISON wesentlich schwächer“. Um 15.50 Uhr gibt er in einer ersten Einschätzung bekannt, dass der Komet die Sonnenpassage wohl nicht übersteht – mit 1,2 km Durchmesser ist der Kern einfach zu klein. (An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die ursprünglichen Prognosen von einer Größe des Kometenkerns von 4-5 km Durchmesser ausgingen.)

Das SOHO-Bild von 18.24 Uhr MEZ zeigt einen Kometen, der seine Koma wohl bereits verloren hat. Statt in der Koma ist jetzt eine Helligkeitsverdichtung am Schweifansatz zu sehen. Es ist die sich auflösende Kometenmaterie, die sich jetzt entlang seiner Bahn verteilt und mit einem hellen Schweif verglüht.

Um 19.36 Uhr – genau zum Zeitpunkt des Perihels – übermittelt SOHO das Bild eines sterbenden Kometen. Selbst der Schweif wird jetzt immer schwächer.

Dann schließlich die Sensation. Auf der um 21.36 Uhr MEZ gemachten Aufnahme zeigt sich eine Szene, die wohl nur eingefleischte Optimisten noch für möglich hielten. ISON ist deutlich neben der Sonne zu sehen, wird heller und zeigt tatsächlich wieder einen kleinen Schweif.

Der heutige Tag bringt die endgültige Gewissheit, dass ISON die Gluthölle der Sonne überlebt hat. Auf den letzten Bildern von heute Morgen und von 14.37 Uhr MEZ – jetzt im weiträumigeren Blickfeld der LASCO C3 – Kamera werden die letzten Skeptiker überzeugen. Die Helligkeit beträgt etwas mehr als + 1 mag und der typische Schweif scheint stabil zu bleiben. Freilich bleibt abzuwarten, wie sich ISON weiter entwickelt. Eine Vorhersage wagt fast niemand mehr. Und es bleibt weiter spannend …

Falls ISON wieder von der Erde aus beobachtbar sein sollte, gibt es an dieser Stelle wieder aktuelle Beobachtungshinweise. Drücken wir ISON und uns die Daumen!

Komet ISON existiert wohl doch nicht mehr +++ Die letztes Bilder von SOHO zeigen eine immer schwächer werdende staubartige Struktur +++ Komet ISON mit Amateurmitteln weiter beobachtbar? +++ Mehr Fragen als Antworten

02.12.2013

Jetzt steht es mit ziemlicher Sicherheit fest: Der Komet ISON hat als solcher das Perihel nicht überstanden. Nachdem einige Stunden nach der Perihelpassage die kurzzeitige Hoffnung bestand, dass ein kleiner Teil des Kometenkerns überlebt haben könnte, muss diese Ansicht nun leider revidiert werden. Die nur vorübergehend allmählich heller werdende Struktur stellte sich als eine Wolke aus „Schutt und Asche“ der ursprünglichen Kometenmaterie heraus.

Die letzten Bilder im C3 – Blickfeld der SOHO – Sonde lassen nur noch eine immer schwächer werdende Staubwolke erkennen. Es gibt keinen Rest eines aktiven Kerns, eine für Kometen in dieser Position typische Gasproduktion findet nicht mehr statt. Die Helligkeit betrug nach Analysen der Sonden-Fotos nur noch 7,5 Größenklassen oder schwächer. Auf die Frage, ob die Überreste des einstigen Kometen von Amateurastronomen nach Erreichen eines größeren Sonnenabstandes beobachtbar sind, gibt es derzeit keine schlüssige Antwort. Eine Sichtbarkeit mit dem bloßen Auge ist jedoch ausgeschlossen. Dies gab die „Comet Ison Observing Campaign“ der NASA in einem Statement am späten Freitagabend bekannt.

Auch wenn wir leider nicht mit dem Himmelsschauspiel eines Jahrhundertkometen beglückt werden, lässt sich sagen, dass ISON dennoch zu einem Gewinn in der Kometenforschung beigetragen hat. Noch nie zuvor wurde ein Komet seit seiner Entdeckung so intensiv verfolgt. Die Beobachtung erfolgte mit optischen Großteleskopen, mit Radioteleskopen und mittels der in HUBBLE, MESSENGER und den Sonnensonden installierten Kameras. Nicht zuletzt waren es die Beobachtungen erfahrener Amateurastronomen, die mit Helligkeitsschätzungen und vielen schönen Fotos wissenschaftlich verwertbare Zuarbeit leisteten. Die angefallenen riesigen Datenmengen müssen nun erst noch ausgiebig analysiert werden. Auf jeden Fall werden sie uns einen Schritt weiter bringen auf dem Weg zum Verständnis der komplizierten Natur der Kometen. Noch gibt es mehr Fragen als Antworten. Aber vielleicht kommt bald ein neuer West, Hyakutake oder Hale-Bopp – oder doch der „Jahrhundertkomet“? 

ISON, der Gast vom Rande unseres Sonnensystems, hat es spannend gemacht, aber auch gezeigt, dass für die Kometenforscher wohl weiterhin die folgende Metapher gelten kann:

„Kometen sind wie Katzen, sie haben einen Schwanz und machen was sie wollen.“


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